Die Website ist seit drei Jahren online. Sie sieht gut aus, sie lädt schnell, sie hat ein Kontaktformular. Und trotzdem passiert nichts: zwei Anfragen im Quartal, beide von einer Empfehlung.
Wenn Dir das bekannt vorkommt, liegt es selten am Design. Es sind fast immer dieselben Fehler. Und keiner davon ist ein Schönheitsfehler. Sie fallen niemandem auf, weil sie nichts kaputt machen. Sie verhindern nur, dass etwas passiert.
In diesem Artikel zeige ich Dir die sieben Fehler, die mir in Website-Analysen am häufigsten begegnen. Du erfährst, woran Du sie auf Deiner eigenen Seite erkennst und was Du dagegen tun kannst, ohne alles neu zu bauen.
Zuerst die gute Nachricht: Deine Website muss nicht schön sein
Design ist wichtig. Aber Design ist selten der Engpass. Eine Website hat genau drei Aufgaben: gefunden werden, verstanden werden, einen nächsten Schritt anbieten. Fällt eine davon aus, hilft auch das schönste Layout nicht mehr.
Die meisten Websites, die ich sehe, sind nicht schlecht gemacht. Sie sind nur nie fertig gedacht worden. Irgendwann war Launch, danach hat sich niemand mehr zuständig gefühlt.
Eine Website, die keine Frage beantwortet, ist eine digitale Visitenkarte. Nur teurer.
Die 7 Fehler, die ich am häufigsten sehe
Fehler 1: In fünf Sekunden ist nicht klar, was Du anbietest
Oben auf der Startseite steht: „Willkommen bei Müller & Partner: Ihr Partner für ganzheitliche Lösungen.“ Was verkauft dieses Unternehmen? Keine Ahnung. Und der Besucher weiß es auch nicht.
Genau da entscheidet sich alles. Die Nielsen Norman Group hat gemessen, dass Nutzer eine Seite häufig schon nach 10 bis 20 Sekunden wieder verlassen (tendenziell weniger). In dieser Zeit muss klar sein, was Du machst, für wen und warum bei Dir.
Tipp: Zeige Deine Startseite jemandem, der Deine Branche nicht kennt. Fünf Sekunden, dann Bildschirm zu. Frage danach: Was verkaufe ich und an wen? Kann er es nicht beantworten, ist nicht das Design das Problem, sondern der erste Satz.
Fehler 2: Die Inhalte sind austauschbar
Dasselbe lächelnde Team mit verschränkten Armen vor weißer Wand. Dieselbe Frau mit Headset. Ich habe dieses Foto schon auf vier Websites in derselben Stadt gesehen.
Stockfotos und Floskeln kosten Dich nichts. Außer Vertrauen. „Ganzheitlich“, „innovativ“, „Lösungen aus einer Hand“: Diese Wörter sagen nichts, weil sie jeder benutzt. Vertrauen entsteht durch Beweise. Echte Fotos, echte Projekte, echte Namen, echte Zahlen.
Tipp: Streiche jeden Satz, der genauso gut auf der Website Deines Wettbewerbers stehen könnte. Was übrig bleibt, ist Dein Text. Und ein Nachmittag mit einem Fotografen wirkt länger als jedes Redesign.
Fehler 3: Es gibt keinen klaren nächsten Schritt
Der Besucher ist überzeugt. Er hat Deine Leistungsseite gelesen, er will reden. Und dann? Kein Button, kein Formular, keine Telefonnummer. Nur der Menüpunkt „Kontakt“, den er jetzt suchen darf.
Das Gegenteil ist genauso schädlich. Newsletter, PDF-Download, Rückruf, Chat und WhatsApp, alles auf einer Seite. Wer zwischen fünf Möglichkeiten wählen muss, wählt keine. Dazu kommt der Klassiker: ein Kontaktformular mit zwölf Pflichtfeldern, obwohl Name und E-Mail-Adresse reichen würden.
Tipp: Ein Hauptziel pro Seite, und der Button benennt die Handlung. Nicht „Absenden“, sondern „Rückruf anfordern“. Jedes Feld, das Du streichen kannst, erhöht die Zahl der Anfragen.
Fehler 4: Mobil ist zweite Wahl
Knapp die Hälfte aller Seitenaufrufe in Deutschland kommt vom Smartphone. Im Juli 2026 waren es 49,41 % laut StatCounter. Gebaut und abgenommen werden Websites aber am 27-Zoll-Monitor.
Das Ergebnis kennst Du: Buttons, die Du mit dem Daumen dreimal treffen musst. Tabellen, die seitlich aus dem Bild laufen. Ein Cookie-Banner, das ein Drittel des Displays besetzt. Eine Telefonnummer, die als Bild hinterlegt ist und sich nicht antippen lässt.
Apple empfiehlt für Tippflächen 44 Punkt, die Barrierefreiheitsrichtlinie WCAG mindestens 24 × 24 Pixel. Beides ist mehr, als die meisten Menüs bieten. Wie viel Barrierefreiheit gleichzeitig für Dein Google-Ranking leistet, habe ich in einem eigenen Artikel beschrieben.
Tipp: Öffne Deine Website auf Deinem eigenen Handy, unterwegs, im Mobilfunknetz. Nicht im WLAN am Schreibtisch. Versuche, eine Anfrage zu schicken. Was Dich dabei ärgert, ärgert jeden Besucher.
Fehler 5: Es fehlt das Fundament für Sichtbarkeit
Alles steht auf einer einzigen Startseite. Die wichtigsten Leistungen sind hübsche Bildkacheln mit Text im Bild. Überschriften sind fett formatierte Absätze statt echter Überschriften.
Für Google ist so eine Website ein Buch ohne Seiten. Es gibt nichts, worauf verwiesen werden kann. Suchmaschinen und KI-Assistenten arbeiten mit Text und Struktur; Bilder liest keiner von beiden. Und wer lokal arbeitet, verliert oft noch früher: Bei der Suche nach „Elektriker in der Nähe“ entscheidet nicht Deine Website, sondern das Google-Unternehmensprofil.
Tipp: Gib jeder wichtigen Leistung eine eigene Unterseite mit eigener Überschrift und mindestens 300 Wörtern echtem Text. Und prüfe, ob Dein Google-Unternehmensprofil Dir selbst gehört oder noch der Agentur von damals.
Fehler 6: Niemand misst, was passiert
Wie viele Besucher hatte Deine Website letzten Monat? Und wie viele davon haben angefragt? Wenn Du beides nicht in einer Minute beantworten kannst, entscheidest Du über Deine Website nach Gefühl.
Dabei brauchst Du keine Datenabteilung, sondern zwei Zahlen: Zugriffe und Anfragen. Die Google Search Console kostet nichts und zeigt Dir, mit welchen Suchbegriffen Menschen bei Dir landen. Für die Zugriffe selbst gibt es schlanke europäische Werkzeuge: Matomo auf dem eigenen Server, Plausible aus Estland oder Pirsch aus Deutschland. Sie arbeiten ohne Cookies und speichern die Daten in der EU. Ob Du damit ohne Einwilligungsbanner auskommst, lässt Du Dir kurz vom Datenschutz bestätigen.
Tipp: Notiere heute einen Ausgangswert: abgeschickte Formulare pro Monat. Ohne diesen Wert ist jede Verbesserung später eine Behauptung.
Fehler 7: Niemand pflegt sie
Wer aktualisiert Deine Plugins? Wer prüft, ob das Backup funktioniert? Wer schaut nach, ob Formularanfragen noch ankommen? „Weiß ich nicht“ ist die häufigste Antwort, die ich auf diese drei Fragen bekomme.
Der teuerste Fehler von allen ist deshalb der unsichtbare: Das Formular funktioniert einwandfrei. Es schreibt nur seit acht Monaten an ein Postfach, das niemand mehr liest. Veraltete Erweiterungen sind gleichzeitig das häufigste Einfallstor für Angriffe. Nicht, weil Dich jemand persönlich ins Visier nimmt, sondern weil automatisierte Skripte einfach alles durchprobieren.
Ein Backup, das noch nie zurückgespielt wurde, ist kein Backup. Es ist eine Hoffnung.
Tipp: Lege Verantwortlichkeiten und Rhythmus schriftlich fest: Updates monatlich, Backup täglich, Wiederherstellung einmal im Jahr testen, Testanfrage über das Formular jedes Quartal. Wenn Du das nicht selbst machen willst, gehört es in Deine Wartung und Dein Hosting.
Was diese Fehler kosten
Rechne einmal mit Deinen eigenen Zahlen. Angenommen, 500 Menschen besuchen Deine Website im Monat. Bei 2 % Anfragequote sind das zehn Anfragen, bei 1 % nur fünf. Die Differenz macht über ein Jahr 60 Anfragen.
Die Prozentwerte sind ein Rechenmodell, kein Versprechen; jede Branche liegt anders. Aber der Punkt bleibt: Der Unterschied zwischen einer Website, die verstanden wird, und einer, die nur existiert, sind keine Nachkommastellen. Was ein Auftrag bei Dir wert ist, weißt Du besser als ich. Multipliziere es einmal.
Kurz gesagt: Diese sieben Fehler kosten Dich nicht Geld, das Du ausgibst, sondern Geld, das nie ankommt.
Checkliste: Wie viele Punkte treffen auf Dich zu?
Geh die Liste einmal ehrlich durch. Es liest ja niemand mit.
- Du kannst nicht aus dem Kopf sagen, welcher Satz oben auf Deiner Startseite steht.
- Die Fotos auf Deiner Website wurden nie bei Dir im Betrieb aufgenommen.
- Auf Deinen Leistungsseiten gibt es keinen Button, der zu einem Gespräch führt.
- Du hast Deine Website seit mehr als drei Monaten nicht auf Deinem Handy geöffnet.
- Deine wichtigsten Leistungen haben keine eigene Unterseite.
- Dein Google-Unternehmensprofil ist unvollständig oder gehört noch jemand anderem.
- Du weißt nicht, wie viele Anfragen letzten Monat über die Website gekommen sind.
- Du weißt nicht, wer für Updates und Backups zuständig ist.
Wenn Du bei mehr als drei Punkten nickst, liegt Dein Problem nicht am Design. Dann fehlt Deiner Website eine klare Aufgabe.
Fazit: Die meisten Website-Fehler sind Denkfehler
Keiner dieser sieben Fehler ist technisch schwer zu beheben. Sie entstehen, weil eine Website als Projekt behandelt wird, das irgendwann fertig ist, und nicht als Werkzeug, das eine Aufgabe hat. Mehr braucht es nicht: Klarheit im ersten Satz, ein nächster Schritt, echte Inhalte, ein Blick aufs Handy, Struktur für Google, zwei Zahlen zur Kontrolle und jemand, der sich kümmert.
Du musst das nicht alles auf einmal ändern. Nimm Dir einen Punkt pro Monat vor, in dieser Reihenfolge. Nach einem halben Jahr ist Deine Website eine andere, ohne dass Du sie neu gebaut hast.
Eine Website, die eine Sache klar sagt und einen nächsten Schritt anbietet, schlägt jede schöne Seite, die beides offenlässt.
Unsicher, welcher der sieben Fehler Dich am meisten kostet? Lass uns reden.
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